Laufende Forschungen

Ausgabe 10

Palu - eine Metapher im Alltag Abidjans (Côte d'Ivoire)

Seite 157
Stefanie Granado

Bereits bei meinem ersten Aufenthalt an der Côte d’Ivoire im Jahr 2002 begegnete ich immer wieder dem Wort palu. Es ist eine Abkürzung für paludisme, dem französischen Ausdruck für Malaria. Die Menschen sprechen ganz selbstverständlich von palu. Auf die Frage, wie es gehe, folgt oft die Antwort «J’ai un petit palu». Mit dem Baule-Wort yako, was so viel bedeutet wie, «das tut mir leid» gehen viele Fragende darauf ein. Danach ist das Thema jedoch abgeschlossen und führt nur selten zu weiteren Fragen oder gar Bestürzung. Kaum jemand fühlt sich verpflichtet, später einen Krankenbesuch abzustatten. Palu verweist offenbar auf eine allgemein bekannte Form von Unwohlsein, die im öffentlichen Raum erwähnt wird, deren Auftreten die Menschen aber nicht weiter beunruhigt.