Bild-Essays

Ausgabe 11

"Je ne suis pas pauvre, j'ai tout simplement pas d'argent"

Seite 92
Peter Lindemann

Dieser in Neukaledonien entstandene Bildessay gibt Einblick in einen Alltag, in dem Armut nicht in der Anzahl Dollar pro Tag zum Ausdruck kommt. Vielmehr definiert sie sich in der Spannung, ein vom Mutterland abhängiges Gebiet zu sein. Die Bilder zeigen nicht die Südsee unserer Träume, sondern die Lebensumstände von Menschen in dem Überseegebiet einer europäischen Nation. Es sind Bilder von Leuten, die nicht unbedingt zu den Gewinnern dieser Situation gehören. La Nouvelle-Calédonie ist eine Lebenswelt, deren Wert nicht in sich selber ruht, sondern immer an la Métropole, dem Mutterland Frankreich gemessen wird – ein Vergleich, der per Definition immer zum Nachteil des abhängigen Gebiets ausfallen muss. Selbst ein im Unterschied zu den umliegenden Pazifik-Inseln sehr hoher Lebensstandard, eine kostenlose Gesundheitsversorgung, ein gut ausgebautes Bildungswesen und die Abwesenheit von Hunger genügen nicht, um auszugleichen, was dem Territorium im Vergleich zum Mutterland fehlt. Arm sein heisst hier, dass man nicht über die Souveränität verfügt, selber definieren zu können, was Geschichte, Kultur und Wohlstand bedeuten.