Laufende Forschungen

Ausgabe 11

Zur Konstruktion von Indigenität

Soziale Praxis und gesellschaftliche Machtstrukturen im paraguayischen Chaco

Seite 115
Ursula Regehr

Diskurse der «Indigenität» spielen im Kolonisierungsprozess des paraguayischen Chaco, der um die Wende des 19./20. Jahrhunderts begann, eine bedeutende Rolle. Sie entstehen in vielfältigen Interaktionen zwischen dem Nationalstaat, der eingewanderten Siedlergesellschaft und den Nivacle. Im Rahmen meines Dissertationsprojektes möchte ich sowohl die Entstehung, die Bedingungen und die Trans- formation von Indigenitäts-Diskursen untersuchen als auch ihre gegenwärtige Relevanz für die verschiedenen gesellschaftlichen Akteure. Welche Inhalte haben Indigenitäts- Diskurse im Chaco? In welchen sozio-politischen Kontex- ten werden sie von verschiedenen Akteuren beansprucht und strategisch genutzt? Welche Bedeutung haben diese Diskurse für die Lebensentwürfe von Nivaclefrauen und -männern sowie für die Strukturierung der Beziehungen zwischen Staat, eingewanderten Siedlern und den Nivacle? Diese Fragen leiten die Analyse meines Datenmaterials, an der ich gegenwärtig arbeite. Meine Feldforschung habe ich von Dezember 2003 bis Mai 2005 im paraguayischen Chaco in der Nivacle-Arbeitersiedlung Cayin ô Clim und der Mennonitenkolonie Neuland durchgeführt.