Rezensionen

Ausgabe 11

Rezension: Diagnose Burstkrebs

Eine ethnografische Studie über Krankheit und Krankheitserleben

Holmberg Christina

Seite 142
Brigit Zuppinger

Im Rahmen ihrer Dissertation untersucht Christine Holmberg die Konstruktion der Krankheitserfahrung von an Brust- krebs erkrankten Frauen in Deutschland am Ende des 20. Jahrhunderts. Die Ausgangslage ist dabei in zweierlei Hinsicht vielversprechend: Anders als die angelsächsische medizinethnologische Literatur fokussiert Holmberg nicht den Prozess der Symbolisierung eines durch Krankheit ver- ursachten und lange erlittenen Leidens – wie etwa chronischer Schmerz oder Epilepsie; vielmehr beschäftigt sie sich mit den Folgen der Früherkennung von Krankheit auf der molekularbiologischen Ebene des Körpers. Durch die Wahl des Untersuchungsgegenstands «Brustkrebs», der in der Regel in einem Zustand der Symptomlosigkeit und des subjektiven Wohlbefindens diagnostiziert wird, lässt sich die soziale Konstruktion von Krankheit geradezu modellhaft aufzeigen: Die Diagnose liefert hier keine sinnhafte Erklärung für bereits erlittenes Leiden, sondern initiiert erst das Leiden. Mit der Diagnose beginnt die biomedizinische Konzeptionalisierung der Krebserkrankung, welche, so die Argumentation der Autorin, im Jetzt einen möglichen Tod in die Zukunft projiziert und im Gegenzug eine Heilung durch biomedizinische Therapie anvisiert.