Laufende Forschungen

Ausgabe 12

Vom Umgang mit der Vergangenheit

Kriegsauswirkungen auf interethnische Beziehungen im bosnischen Prijedor

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Anja Sieber

Knapp elf Jahre nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens von Dayton scheiterte 2006 der vorerst letzte Ver- such, die bosnische Verfassung zu reformieren. Die dafür mitverantwortlichen bosnjakischen Zentralisten (Muslime), kroatischen Föderalisten und radikal serbischen Nationalisten verunmöglichen damit dreierlei: eine Vereinfachung der staatlichen Strukturen, die Stärkung des Gesamtstaates und die Überwindung der Trennung der drei konstitutiven Gruppen (Serben, Kroaten, Bosnjaken). Damit ist absehbar, dass die Ethnisierung der Politik sowie die soziale Segrega- tion auf Weiteres zementiert werden. Vor diesem Hinter- grund erstaunt nicht, dass auch ein Konsens über die Formen des Zusammenlebens und eine alltagspraktische «Normalisierung» im Sinne einer durchlässigeren Gesellschaft nicht zustande kommt. Dies zeigte sich während meiner Feldforschung (2005 / 2006) in Prijedor, einer Gemeinde im Nordwesten der serbischen Republik gelegen.