Rezensionen

Ausgabe 12

Integrations maschine Stadt?

Interkulturelle Beziehungsdynamiken am Beispiel von Bern

Stienen Angela (Hrsg.). 2006. Bern, Stuttgart, Wien: Haupt Verlag

Seite 170
Kathrin Oester

«Denn wir gehen nicht unter in den Niederlagen, sondern in den Auseinandersetzungen, die wir nicht führen». Das Graffito auf dem Umschlag des Sammelbands von Angela Stienen, Jacqueline Truffer, Daniel Blumer, Pia Tschannen und Eva Soom ist programmatisch für die vorliegende Publikation. Zwar ist die linksalternative Kampfansage aus dem untersuchten Berner Nordquartier durchaus politisch gemeint. Doch kann ihr Inhalt mit Recht auch auf die vorliegende Publikation selbst bezogen werden: Hier liegt auf fast 500 Seiten eine spannende wissenschaftliche Auseinandersetzung um die Frage vor, wie Städte heute funktionieren, neue zugezogene Menschen integrieren und marginalisieren. Dabei verweist Angela Stienen als Herausgeberin und Hauptautorin einleitend darauf, dass sich Bern – als «nebensächlichste Hauptstadt der Welt» – gerade nicht durch spektakuläre Schlagzeilen etwa zu «brennenden Vorstadtghettos» oder «überfremdeten Schulhäusern» hervortue, sondern durch seine «behäbige Gemütlichkeit». Diese bildet gleichsam die Folie, vor deren Hintergrund sich Ungemütliches abspielt.